Fliegerhorst Unterschlauersbach
Mit der Geschichte des Fliegerhorstes Unterschlauers-bach hat sich jüngst (1985)
die Schülerin Christiane Schei-derer aus Dietenhofen in einer Examensarbeit
beschäftigt. Zur Verfügung stand uns ferner ein Erlehnisbericht des
Großhabersdorfer Johann Sebastian Haas sowie Akten des Gemeindearchivs
Großhabersdorf.
Der Fliegerhorst Unterschlauersbach (geheime Be-zeichnung U-Bach) wurde
beginnend von 1934 angelegt und war bis 1945 in Gebrauch. Er befand sich auf der
nördlich von Großhabersdorf gelegenen Hochebene, zwischen den Ortschaften
Großhabersdorf, Homsegen, Oberreichenbach, Unterschlauersbach und
Seubersdorf. Dieses Gelände bot sich für einen geheimen Militärstützpunkt an, da es
sich in einem mit Wald durchsetzten Gebiet befand und der Flugplatz nur aus einer
Flughöhe von etwa 1000 m als solcher identifiziert werden konnte. Die Flugzeuge,
die gewöhnlich am Waldesrand verborgen wa-ren, konnte man nur aus geringer
Flughöhe sehen.
Das Gelände wurde den Besitzern enteignet. Sie erhielten dafür allerdings eine
überdurchschnittliche Pacht. Für einige Bauemfamilien, die den Großteil ihrer Äcker
hier hatten, war es trotzdem ein harter Schlag. Da man keine betonierten Start- und
Landepisten anlegte, wurde das Gras des Flugplatzes gemäht und reihum an die
Bauern der umliegenden Dörfer verteilt.
Nach einer ,,Nachweisung über die jährliche Gesamtmiete~' von 1935 waren von
der Enteignung betroffen: 17 Landwirte und die Pfarrpfründstiftung aus
Großhabers-dorf, 6 Familien aus Homsegen, 10 aus Unterschlauers-bach und 10
aus Oberreichenbach. Die jährliche Miete er-gab für Großhabersdorf 5.562 RM, für
Homsegen 6.514 RM, für Unterschlauersbach 3.893 RM, für Oberreichen-bach
2.658 RM. Daraus ist ersichtlich, daß die landwirtschaftlichen Betriebe aus
Homsegen am stärksten von der Enteignung betroffen waren.
Der Fliegerhorst Unterschlauersbach hat zeit seines Bestehens hauptsächlich zur
Ausbildung von Piloten gedient und in der letzten Phase des Krieges auch zur
fliege-rischen Fertigungskontrolle einiger Flugzeuge, wie zum Beispiel der
Flugzeuge vom Typ Messerschmitt Mc 262.
Der Flugplatz erforderte eine Reihe von Bauten. Das Gelände mußte eingeebnet
und entwässert werden. Die Mannschaften mußten untergebracht werden, für
Verwaltung und Unterstellung der Flugzeuge Platz geschaffen werden. Auch neue
Zufahrtsstraßen erwiesen sich als notwendig. So entstand 1937 die heutige
Homsegener Straße. Ebenso wurde der Oberreichenbacher Weg ausgebaut. Sie
bestehen heute noch in ihrem ursprünglichen Zustand.
Es waren so bis Ende des Krieges um den Flugplatz eine Reihe von Bauten
errichtet worden: etwa 20 Barakken auf Betonfundamenten mit Backsteinmauern,
die als Unterkünfte für hier stationierte Einheiten dienten, eine Kantine, ein Kino,
eine Ärztebaracke, Geräte- und Fahrzeugbaracken, Benzinlager, Tankstellen, eine
Funk- und Telefonzentrale, Hangars für Flieger, Bunker, Unterstände für
Flakgeschütze, Munitionslager, Werften wie beispielsweise die Biegelswerft oberhalb
der Stammesmühle.
Der Badeweiher am Westrand von Großhabersdorf wurde zu einem
Löschwasserbecken ausbetoniert, um zum Löschen von eventuellen Bränden auf
dem Flugplatz zur Verfügung zu stehen. Die Großhabersdorfer erhielten auf diese
Art ein ,,Freibad”. Das heutige geflieste Freibad hat Größe und Form des alten
Beckens behalten. Der Bahnhof von Großhabersdorf wurde mit 4 Abstellgleisen
ausgebaut, denn die Belieferung des Flugplatzes erfolgte hauptsächlich per Bahn.
Für die Nachtflüge wurden große beleuchtete Blink- und Anfluganlagen gebaut,
ebenso Scheinwerferstellungen um den ganzen Platz. Alle Bauten des Flugplatzes
wurden gegen Ende des Krieges durch Bombenangriffe sowie durch Sprengungen
der sich absetzenden deutschen Einheiten zerstört. Davon sind bloß einige Ruinen,
Betonklötze und Fundamente übriggeblieben. Heute stehen auf dem Platz des
früheren Barackengeländes Wochenendgärten, deren Häuschen zum Teil auf alten
Betonfundamenten ruhen.
Viele Großhabersdorfer haben bei den Arbeiten auf dem Flughafen Arbeit
gefunden. Dazu gehörten auch Lohnfahrten mit Pferdegespannen. Während der
Kriegs-zeit sind auch Fremdarbeiter aus den von Deutschen be-setzten Gebieten
verpflichtet worden. Geflüchtete Letten, die 1944 in einem Barackenlager am
Wolfgraben untergebracht waren, wurden desgleichen eingesetzt. Zudem waren auf
dem Flugplatz auswärtige Facharbeiter beschäftigt. Einige der ehemaligen
Usehbacher sind nach Kriegsende in Großhabersdorf ansässig geworden.
Der Flugzeugbetrieb brachte jedenfalls Bewegung in die umliegenden
Ortschaften. Der Flugplatz selbst war natürlich strengstens abgeschirmt und konnte
nur mit Ausweis betreten werden.
Der Flugplatz U-Bach gehörte zu einer Gruppe von Fliegerhorsten (Illesheim,
Herzogenaurach, Bayreuth, Ansbach, Fürth-Atzenhof, Roth) und E-(Einsatz-)Häfen
(Oberscheckenbach, Buchschwabach), die in den Jahren 1935-1939 neben dem
Verkehrsflugplatz Nürnberg und dem Firmenplatz Fürth-Annaberg ausgebaut
wurden. Der Fliegerhorst U-Bach scheint zur Flugzeugschule Roth gehört zu haben.
Er bildete Piloten auf zweimotori-gen Flugzeugen aus. Die ausgebildeten
Flugzeugführer kamen dann zu den Kampf-, Fernaufklärungs- oder
Transporteinheiten der Luftwaffe. Nach 1943 sind gele-gentlich auch
Jagdflugzeugpiloten hier ausgebildet, oder Piloten für Düsenjäger hier umgeschult
worden. Wäh-rend der Schulungs- und Übungsflüge kam es zu Unfällen und
Abstürzen. Ein Großteil der Verunglückten ist auf dem Großhabersdorfer Friedhof
beigesetzt worden.
Der Flugplatz ist vor dem Einmarsch der Amerikaner zweimal sehr stark
bombardiert worden. Am 4. April 1945 wurde der gesamte Flugplatz innerhalb einer
halben Stunde durch amerikanische Bomber zerstört. Versteckte Flugzeuge wurden
in Brand geschossen oder durch Split-terbomben zerstört. Als der Angriff vorüber
war, zählte man etwa 300 Bombenkrater.
Am 8. April erfolgte ein zweiter Angriff, bei dem auch Seubersdorf stark getroffen
wurde. Damit hörte prak-tisch der Betrieb auf. Als eine Woche später der Einzug der
Amerikaner bevorstand, wurden alle Gebäude und Bauten gesprengt.
,,Wenn der Flugplatz das große Bombardement im April 1945 überstanden hätte,
wäre sein Fortbestand wahrschein-lich gesichert gewesen~" schreibt Christiane
Scheiderer in ihrer eingangs erwähnten Arbeit. Es bestanden nämlich seitens der
Amerikaner Pläne, den Fliegerhorst zu erhalten und sogar über die Ortschaften
Homsegen und Oberreichenbach hinaus auszubauen. Die Bewohner beider Orte
sollten umgesiedelt und entschädigt werden.
Die gewesenen Eigentümer des Feldes vereitelten jedoch jedwelche Pläne dieser
Art. Nach Kriegsende besetzten sie das landwirtschaftliche Nutzland und bebau-ten
es. Sie lehnten jede Verhandlung über eine Abgabe des Geländes einstimmig ab
und ließen nicht einmal über die Errichtung eines Segelflugplatzes des AERO-Clubs
Fürth mit sich reden. Heute überqueren zwei Hochspannungsleitungen das Plateau,
und die gutbestellten Äcker verraten nichts von dem einstigen Treiben. Der
Flieger-horst U-Bach bleibt also bloß eine Episode in der Großhabersdorfer
Geschichte.
© Ortsverein Unterschlauersbach e.V. 2011